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Staubläuse (Psocoptera)

Staubläuse, auch Flechtlinge, Rinden- oder Bücherläuse genannt, sind kleine, maximal 10 mm große Insekten, von denen weltweit ca 5700 Arten beschrieben sind. Davon sind 95 in Deutschland heimisch, etwa 20 im Normalfall flügellose Arten kommen in Gebäuden vor und können dort durch Massenauftreten scheinbar als Vorratsschädling in Erscheinung treten oder, ähnlich der Hausstaubmilbe, allergische Reaktionen auslösen. An feuchten und muffigen Orten ernähren sie sich u. a. von verschimmelnden organischen Stoffen, können damit also als Indikator für ungeeignete Bedingungen für die Lagerung von Lebensmitteln dienen. Auch Überreste von Pflanzen und Insekten werden nicht verschont, wodurch sie für Herbarien und Insektensammlungen zu einer Bedrohung werden können. Die größere Anzahl der Staublausarten lebt aber im Freien, häufig in größeren Ansammlungen unter mit ihren Mundwerkzeugen angefertigten Gespinsten. Insbesondere auf welkenden oder kränkelnden Blättern, auf oder unter der Rinde von Bäumen und Sträuchern, in Bodennähe im Falllaub oder unter Steinen, oder in Vogel- und Insektennestern trifft man sie an. Sie erfüllen dort eine ökologisch bedeutsame Aufgabe, indem sie durch ihre Fraßtätigkeit die Mikroflora, bestehend aus Algen, Pilzen und deren Hyphen und Sporen, Flechten und Hefen, für andere Organismen verfügbar machen. Sie bevorzugen feuchte, warme, schattige und windstille Bedingungen.

Geschlechterfindung einiger Arten findet durch ein Schlagen des Hinterleibs auf den Untergrund statt. Die Männchen mancher Arten führen einen Balztanz zur Einleitung der Paarung auf. Nicht selten kommt es auch zur Fortpflanzung durch Jungfernzeugung (Parthenogenese), einige Arten sind lebendgebärend.

Die meisten einheimischen Arten sind mit einer Körperlänge von 0,6 -7,0 mm kleine bis sehr kleine, zarte Insekten mit einem weichhäutigen, sackförmigen Hinterleib. Auffällig ist der große, kugelige Kopf. Dieser besitzt beißend-kauende Mundwerkzeige, die teilweise stilettartig ausgebildet sind und vermutlich eine Vorstufe von stechenden Mundwerkzeugen darstellen. Die Fühler sind fadenförmig, dünn und etwa körperlang. Die Augen freilebender Arten sind relativ groß, die von in Gebäuden oder Höhlen lebenden Arten klein. Die Flügel sind, falls vorhanden, unterschiedlich groß und miteinander über Hakenhaare gekoppelt. In Ruhe sind sie dachförmig über dem Körper abgelegt. Sie sind meist farblos, manchmal jedoch artspezifisch getönt oder gefleckt. Die ebenfalls artspezifische Flügeladerung ist reduziert und bildet nur wenige Zellen. Die Beine sind meist lang und dünn, die Hinterbeine können bei einigen Arten allerdings deutlich verdickt sein. Höhlen- oder gebäudebewohnende Arten sind in der Regel hell gefärbt. Im Freiland lebende Arten sind zumeist gefleckt oder mit kleinen Teilchen aus der Umgebung, die an Drüsenhaaren kleben, bedeckt und damit gut getarnt. Die Körper einiger Arten sind beschuppt. Männchen sind meist kleiner als die bei einigen Arten flügellosen Weibchen. Larven sehen aus wie die erwachsenen Tiere, es fehlen ihnen lediglich die Flügel.

Die Bestimmung ist nicht einfach und Aufgrund der geringen Größe vieler Arten nur mit einem Mikroskop möglich

Quellen: Bellmann 2009; Dettner & Peters 1999; Klausnitzer 2011; von Kéler 1953; Weidner & Sellenschlo 2010;